- Entwicklung

Recyclist


Ein Beruf mit Zukunft

Seit 2000 gibt es in der Schweiz den Beruf des «Recyclisten EFZ». Der Arbeitsmarkt wächst auch kontinuierlich. Und: Gut ausgebildete Fachkräfte dürften bald international gefragt sein.

Wer sammelt, entsorgt und rezykliert fleissiger Altpapier, Glas, Batterien oder Elektrogeräte - Frauen oder Männer? Eine Studie, die diese Frage untersucht, ist uns leider nicht bekannt, würde uns aber sehr interessieren. Spannende Informationen haben wir aber gefunden, was das Berufsfeld und den Arbeitsmarkt der Umweltbranche betrifft. Das Wichtigste vorweg: Recycling und Entsorgung sind (noch) fest in Männerhand. Von den rund 11’000 vom Bundesamt für Statistik im Jahr 2016 gezählten Arbeitstätigen sind 9500 Männer und 1500 Frauen. Erfreulich ist, dass sowohl der Arbeitsmarkt in der Umweltbranche kontinuierlich wächst, als auch die Anzahl Frauen, die sich in diesem Bereich betätigen, zunimmt.


Köpfchen schlägt Muckis

Das Argument, in einem Sammel- oder Recyclinghof brauche es halt starke Männer, lassen wir nicht gelten. Längst gibt es clevere Arbeitshilfen wie Stapler, Kleinkräne und Rollis, die die reine Muskelkraft ersetzen. Und überall dort, wo analysiert, getrennt und sortiert, eingeordnet, erklärt und abgerechnet werden muss, sind ohnehin Köpfchen und Fachwissen gefragt. Beides ist bekanntlich nicht abhängig vom Geschlecht. Wir vermuten vielmehr, dass es der Recyclist ERZ (eine dreijährige Ausbildung mit eidgenössischem Fachausweis) ähnlich schwer hat, zum Traumberuf junger Frauen zu werden, wie andere technische Berufe. Leider. Denn der seit siebzehn Jahren angebotene Lehrberuf hat einiges zu bieten und wird von neuen Technologien und Innovationen begleitet.

Die Ausbildung vermittelt unter anderem:

  • Vertiefte Kenntnisse verschiedener Wertstoffe
  • Wissen über ökologische Zusammenhänge
  • Kenntnisse in betrieblicher Organisation
  • Kommunikation und Teamarbeit


Wer die Grundbildung absolviert hat, kann aus einer weiten Palette an Weiterbildungen und Fachkursen wählen oder auch ein Studium an einer Fachhochschule oder Universität anstreben.


Trendbranche sucht Nachwuchs - weltweit

Gut ausgebildete Recyclisten dürften bald weltweit sehr gefragt sein. Die internationale Arbeitsorganisation (ILO) schätzt, dass in den nächsten zwei Jahrzehnten bis zu 60 Millionen zusätzliche Arbeitsplätze im Umweltbereich geschaffen werden könnten. Nicht nur in China, wo den drückenden Umweltproblemen immer energischer der Kampf angesagt wird, auch in Südamerika und Afrika professionalisiert sich die Branche der Müllsammler zusehends. Reiselustige junge Recyclisten lernen daher am besten schon mal Englisch, Spanisch oder vielleicht sogar Chinesisch.

Anders als andere Branchen bietet die Umweltindustrie selbst Menschen, die es auf dem Schweizer Arbeitsmarkt schwer haben, valable Job-Chancen. So finden etwa Personen mit geistiger oder körperlicher Beeinträchtigung aber auch Arbeitslose und Flüchtlinge sinnvolle Beschäftigung in einer Sammel- oder Zerlegestelle, einem Entsorgungshof oder einer Recyclingfabrik. «Wir geben der Gesellschaft etwas zurück» formuliert es die Winterthurer Recycling- und Entsorgungsfirma Maag treffend in ihrem Leitbild.